3. Zertifizierungskurs zum Qualifizierten Beirat (Beirat-BW) abgeschlossen – ein Rückblick

Vom 25. bis 27. März 2021 fand unsere dritte Zertifizierungsschulung zum Qualifizierten Beirat (Beirat-BW) statt. Dieses Jahr durften wir 17 Teilnehmer*innen in den Räumlichkeiten des Württembergischen Automobilclubs Stuttgart begrüßen. Um eine Präsenzveranstaltung in diesem Rahmen möglich zu machen, wurde dazu im Vorfeld ein detailliertes Hygienekonzepts ausgearbeitet mit täglichen Corona-Tests aller anwesenden Personen.

Mit einer Begrüßung durch die Vereinsvorstände Dirk Freiland und Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker und einer anschließenden kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer*innen begann am Donnerstagmorgen das offizielle Programm. Zunächst standen rechtliche Fragen auf der Tagesordnung. Die Rechtsanwälte Dr. Marcus Baum und Dr. Marilen Hilbert starteten mit Hinweisen zu allgemein rechtlichen Grundlagen und Gestaltungsformen der Beiratstätigkeit, sprachen über das Thema Haftbarkeit der Geschäftsführung und über Konfliktlösungsmethoden in der unternehmerischen Tätigkeit als Beirat. Nach der Mittagpause auf der sonnigen Terrasse des WAC ging es weiter mit Berichten aus der Beiratspraxis von Dr. Peter Mailänder. Den Abschluss des offiziellen ersten Schulungstages machte Heinrich Schaible mit einer Ergebnispräsentation seiner Studie zur Geschäftsführer-Entlohnung im Mittelstand. Mit einem ungezwungenen Get-Together ging der erste Schulungstag zu Ende.

Der Freitag startete betriebswirtschaftlich. Das Vormittagsprogramm gestaltete Ulrich Sommer mit den Themen Rechnungslegung, Controlling, Risikomanagement und Reporting.  Für viele Teilnehmer*innen sicher ein interessanter Refresher. Nachmittags übernahm Prof. Harald Eichsteller mit praxisnahen Inhalten zu Innovationsmanagement, Digitalen Geschäftsmodellen und Change-Management im Zuge der Digitalen Transformation. Thomas Hagen ließ mit Einblicken aus seiner langjährigen Unternehmerpraxis und insbesondere der Rolle des Beirats in Merger-& Akquisition-Prozessen den zweiten Schulungstag ausklingen.

Ein sehr vielfältiges Programm hielt der Samstag für die Teilnehmer*innen bereit. Es ging mit einem Vortrag von Steffen Beck zum Erkennen von und zum Umgang mit Insolvenzgefahren los. Daran anschließend berichteten Markus Hahn und Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker aus Bankensicht. Sie referierten über bankenseitige Anforderungen an Unternehmen und wie diese den Dialog mit Banken vorbereiten können. Vor der Mittagspause gab Dirk Freiland Einblicke in die Thematiken Unternehmensbewertung und Unternehmenstransaktionen. Im letzten inhaltlichen Block der Schulung ging es um die Besten der Besten. Prof. Dr. Christoph Müller stellte die Weltmarktführerstudie vor, an der er seit einigen Jahren mitwirkt. Außerdem kam er auf das wichtige Thema Nachfolgestrategien insbesondere in Familienunternehmen zu sprechen. Nach insgesamt fast 24 Stunden Input waren anschließend die Teilnehmer*innen gefragt ihr Erlerntes in der Bearbeitung von Fallstudien umzusetzen und anschließend gemeinsam vorzutragen. Betreut wurde die Prüfung vom Vorsitzenden der Prüfungskommission Prof. Harald Eichsteller. Alle Teilnehmer*innen erhielten für das Bestehen des Kurses ein Zertifikat und dürfen sich nun Qualifizierte Beiräte (Beirat-BW) nennen.

Wir danken an dieser Stelle allen Referenten für ihre spannenden Vorträge, allen Teilnehmer*innen für ihre Teilnahme, ihr Interesse und ihre wertvollen Diskussionsbeiträge und nicht zuletzt dem Württembergischen Automobilclub als Gastgeber der Schulung.

Wie kann Sie ein Beirat bei der Nachfolge in Ihrem Unternehmen unterstützen?

von Bert Overlack, Mitglied Beirat-BW e.V.

In vielen Familienunternehmen in Deutschland und vor allem in Baden-Württemberg steht das Thema Unternehmensnachfolge an. Unternehmer übergeben ihr Lebens- oder gar Generationenwerk in neue Hände – sei es an ein Familienmitglied oder einen externen Geschäftsführer. Da ein solcher Schritt oft mit einem großen Unternehmensumbruch einhergeht, sind Entscheidungen in Bezug auf die Unternehmensnachfolge von wichtiger Bedeutung.

Für den „Senior“ und bisherigen Unternehmer bedeutet dieser Schritt, die Verantwortung für sein Lebenswerk abzugeben. Dies kann sehr emotional werden und geht oft mit Unsicherheiten einher. Wird der/die Nachfolger*in das Unternehmen erfolgreich weiterführen? Hat er oder sie die notwendige Erfahrung und persönlichen Eigenschaften dazu?

Soll das Unternehmen zukünftig von Personen aus dem eigenen Familienkreis geführt werden, kommen zu den Bedenken um die erfolgreiche Zukunft der Firma, auch die Sorge um das Wohlergehen der Tochter oder des Sohnes hinzu. Besonders in unsicheren Zeiten stellen sich einige Unternehmer die Frage, ob sie ihre Kinder mit der Verantwortung und dem Risiko der Unternehmensführung belasten wollen.

Bei einer familienfremden Geschäftsführung stellt sich die Frage, ob man die richtigen Kandidaten ausgewählt hat und ob diese in der Lage sind, das Unternehmen weiter zu führen. Wie geht die fremde Person mit meinem Lebenswerk um? Werden die richtigen Entscheidungen getroffen und kann die Belegschaft für sich gewonnen werden? Fragen, die sich erst nach ein paar Monaten beantworten lassen.

Oft haben scheidende Unternehmer sehr hohe Erwartungen an den/die Nachfolger*in. So sollen diese den eigenen Vorstellungen entsprechen und das Unternehmen im eigenen Sinne erfolgreich weiterführen. Dass sich die Zeiten geändert haben und sich die Erfolgsfaktoren der Vergangenheit nicht unbedingt auf die Zukunft übertragen lassen, wird oft nur mit Widerwillen akzeptiert. Gerne vergessen wird dabei auch, dass der Senior wahrscheinlich selbst seinerseits als Gründer oder Nachfolger viele Dinge geändert und angepasst hat. Der/die Nachfolger*in bzw. die neue Geschäftsführung bringt ihre eigenen Motive, Ideen und Ziele mit, wie sie das Unternehmen weiterentwickeln und für zukünftige Herausforderungen fit machen wollen. Dies geht mit den eigenen Erwartungen an die neue Position, der Zusammenarbeit mit Kollegen, Gesellschaftern und besonders dem ehemaligen Geschäftsführer einher.  Genauso haben die eigenen Kinder ihre Vorstellungen, die unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, oft mit dem Wunsch, das Unternehmen neu auszurichten und an die eigene Persönlichkeit anzupassen.

Nicht ausgesprochene oder überzogene Erwartungen und das Nicht-Loslassen-Können des Seniors auf der einen Seite und eine nicht funktionierende Integration des/der Nachfolger*in in das Unternehmen auf der anderen, sind nur einige der Herausforderungen, die während eines Nachfolgeprozesses auftreten können. Persönlichkeiten müssen zusammenfinden, Erwartungen geklärt und gegebenenfalls angepasst werden In diesem Zusammenhang endet schlechte oder fehlende Kommunikation in emotionalen Konflikten, Zweifeln und Ängsten.

Ein guter Unternehmensbeirat kann für einen erfolgreichen Nachfolgeprozess eine wertvolle Unterstützung sein. Als neutrales Gremium, das weder dem ehemaligen noch dem neuen Geschäftsführer gegenüber verpflichtet ist, sondern allein dem nachhaltigen Erfolg und Erhalt des Unternehmens, übernimmt ein Beirat eine vermittelnde Funktion und ist damit vertrauensvoller Ansprechpartner für alle Beteiligten. Ideal ist, wenn sich der Beirat schon einige Zeit vor der Nachfolge bildet und somit den Prozess von Anfang an begleitet. Er kann wichtiger Gesprächspartner für den Senior sein.  Gerade dann, wenn der/die Nachfolger*in Entscheidungen anders trifft, als er es getan hätte. Die Perspektive von außen erlaubt es dem Beirat, Sachverhalte frei von persönlichen Emotionen zu betrachten und bei Bedarf als neutraler Moderator vermitteln zu können. Für den/die Nachfolger*in kann ein Beirat zum vertrauten Sparringspartner werden, der einerseits mit dem Unternehmen bekannt ist und andererseits persönliche Erfahrungen, Fähigkeiten und Netzwerke einbringen kann.

Die Erfahrung zeigt, dass Familienunternehmen mit einem Beirat langfristig erfolgreicher sind. Dies liegt an folgenden Punkten:

  • Externe Beiräte sind nicht Teil der Familie und der damit verbundenen Beziehungen, Konflikte und Erwartungen.
  • Beiräte sind dem Wohl des Unternehmens verpflichtet und nicht einzelnen Personen.
  • Qualifizierte Beiräte bringen wichtiges Knowhow, Erfahrungen und Netzwerke in das Unternehmen ein.
  • Beiräte sind kritische Begleiter und helfen der Geschäftsführung wichtige Entscheidungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen.
  • Beiräte sind durch die regelmäßigen Beiratssitzungen mit dem Unternehmen vertraut.
  • Beiräte haben im Idealfall das Vertrauen aller Beteiligten.

Ein Unternehmensbeirat sollte die wichtigsten Themenfelder eines Unternehmens abdecken und sich mit der Organisation entwickeln und verändern. Entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei die richtige Zusammensetzung des Gremiums mit kompetenten Beiratspersönlichkeiten.

„Trust one, who has gone through it.” (Vergil: Aeneis)

Artikel in Stuttgarter Zeitung zu Beirat-BW

Heute erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Artikel zur Bedeutung von Beiräten für mittelständische Unternehmen. Beirat-BW e.V.-Vorstand Dirk Freiland hat mit Redakteur Andreas Schröder über die Vorteile eines qualifizierten Beirats sowie die Idee hinter der Initiative von Beirat- BW e.V. gesprochen.

Den Artikel als PDF finden Sie hier und auf stuttgarter-zeitung.de für StZPlus-Abonnenten.

Interessante Studie zum Thema Beirat in Familienunternehmen

PWC hat zusammen mit INTES Akademie für Familienunternehmen kürzlich eine neue Studie zum Thema „Der Beirat im Familienunternehmen“ veröffentlicht. Unter dem Motto „Wenn, dann richtig!“ werden Entwicklungen, neue Erkenntnisse und Empfehlungen zu Rolle und Aufgaben von Beiräten im Mittelstand aufgezeigt.

Zu PWC: https://www.pwc.de/beirat
Studie als PDF: https://www.pwc.de/de/mittelstand/der-beirat-im-familienunternehmen-2021.pdf

Warum Unternehmen jetzt einen Beirat haben sollten

von Hans Michael Schmidt-Dencker, Vorstandsmitglied Beirat-BW e.V., Rechtsanwalt und Unternehmerberater, Stuttgart

In der Krise zeigt sich die wahre Stärke oder auch Schwäche eines Unternehmens und seines Managements. Mit der Corona-Pandemie kommt es zu einer Krisensituation, die alle bisherigen Szenarien weit in den Schatten stellt. Dazu tragen auch die großzügigen, als Unterstützung und zur Insolvenzvermeidung gedachten Finanzhilfen bei; ebenso die weiteren Rahmenbedingungen, wie Steuererleichterungen, Kurzarbeitergeld, die (vorübergehende) Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wegen Überschuldung (bis 31.01.2021) und eine tiefgreifende Änderung des Insolvenzrechts, durch das zum 01.01.2021 in Kraft getretene SanInsFog, das Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetz.

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In 5 Schritten einen Unternehmensbeirat aufbauen

Immer mehr Unternehmer*innen erkennen den Mehrwert, den ein passgenau zusammengesetzter Beirat leisten kann. Mit ausgewiesener unternehmerischer Erfahrung und fachlicher Expertise werden Impulse eingebracht und unternehmerische Entscheidungen unterstützt. Dadurch wird die längerfristige Entwicklung des Unternehmens abgesichert. Gerade in der aktuell schwierigen Gesamtlage gilt es, die Corona-Krise kurzfristig zu bewältigen und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen. Besonders in Familienunternehmen kann ein erfahrener Beirat einen wertvollen Beitrag leisten und unterschiedliche Interessen moderieren oder Nachfolgesituationen erfolgreich mitgestalten.

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Business Ecosystems als Erfolgsfaktor – Beiräte schaffen Mehrwert

Neues Buch von Uwe Klaus Hotz

Unternehmer Deines Business Ecosystems

Vernetzt und kooperativ aus der Krise – ein Pulsgeber für nachhaltige Veränderung

Business Ecosystems sind kooperative Netzwerke. Ihr Ziel ist es, im Verbund mehrerer Unternehmen gemeinsam mehr Wert zu erzeugen. Die über Jahrzehnte geprägte Silostruktur starrer Lieferketten wird zunehmend durch die Wertlogik der Business Ecosystems ergänzt und verdrängt. Das den Lieferketten eigene Effizienzstreben findet seine Grenzen in der steigenden technologischen Komplexität.

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Welche Unternehmen zählen zu den deutschen Weltmarktführern?

Auf diese Frage gibt unser BEIRAT-BW – Mitglied Prof. Dr. Christoph Müller jedes Jahr im Herbst die Antwort. Knapp über 500 Unternehmen in Deutschland dürfen sich Weltmarktführer nennen. Dazu erforscht Herr Müller jeweils im Sommer die Jahresabschlüsse der Unternehmen. Vor allem die publizierten Abschlüsse im Bundesanzeiger, aber auch auf den Investor Relations-Seiten der Unternehmen. Dann stellt sich heraus, ob die Unternehmen die Kriterien (weiterhin) erfüllen.

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Initiative qualifizierter Beiräte gründen Beirat-BW e.V.

Am 25. Juli kamen Rainer Berthan, Prof. Harald Eichsteller, Dirk Freiland, Thomas Hagen, Prof. Dr. Christoph Müller,  Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker sowie Dr. Michael Völter zusammen, um aus ihrer Initiative für qualifizierte Beiräte den Grundstein für einen eingetragenen Verein zu legen. Die Eintragung ins Vereinsregister wird kurzfristig erfolgen, Vereinsvorstände werden unter dem Vorsitz von Dirk Freiland Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker und Rainer Berthan.

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Initiative qualifizierter Beiräte formiert sich

Dirk Freiland, Thomas Hagen, Prof. Dr. Christoph Müller, Prof. Harald Eichsteller, Rainer Berthan sowie Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker formieren sich in Stuttgart, um mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer als Beiräte mit einem großen Portfolio an Knowhow zu unterstützen.

Aufsichtsratsstudie Digitale Transformation kostenlos zum Download

80 Prozent der befragten Aufsichtsräte sind der Meinung, dass die Schaffung eines digitalen Vorstands-Ressorts als Maßnahme der Digitalen Transformation nicht ausreicht, 23 Prozent messen Digitalisierungs-Know-how im Anforderungsprofil aller Vorstandspositionen eine sehr hohe und hohe Bedeutung zu. 60 Prozent der Aufsichtsräte haben nach eigener Einschätzung kein Digital-Know-how – Für die Zukunft der Boards haben die Teilnehmer der Studie klare Prioritäten, auf ihrer Kompetenzwunschliste stehen mehr Digitalkompetenz (56%), mehr Mitglieder im Alter zwischen 40 und 60 Jahren (4 %) sowie mehr Querdenker ohne Branchen-Knowhow (46%). 

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Eichsteller interviewt Vorstände zum Thema Digitale Transformation

Prof. Harald Eichsteller stellte in der Zeitschrift BOARD den zweiten Teil  der Mini-Serie Herausforderung Digitale Transformation vor. Der ehemalige Chief Digital Officer der Aral AG interviewte im Sommer Vorstände von EnBW, BASF und Vontobel sowie die Geschäftsführer der Start-up-/Digitalbereiche von Bosch, Telekom und Porsche zu möglichen Lösungsansätzen.

Das Interview können Sie kostenfrei hier herunterladen.